Schluss mit dem didaktischen Spagat!
Hybrid-Lehre ist oft ein fauler Kompromiss. Lerne, wie du mit Flipped Classroom und unserer Transferwerkstatt echtes Engagement und bessere Lernerfolge erzielst.
Fühltest du dich nach den damaligen „hybriden“ Veranstaltungen auch oft ausgelaugter als nach reinen Online- oder Präsenz-Sessions? Damit warst du nicht allein!
Wilfried Admiraal, Professor für technologiegestütztes Lehren und Lernen, fand deutliche Worte: „Hybrid kann sowohl zur Erschöpfung des Lehrenden als auch zu weniger Engagement, Bindung und Lernen bei den Lernenden führen“.
Es gibt sogar längst Stimmen, die sagen: „Hybrid“ ist die schwächste Didaktik. Doch woran liegt das – und was ist die bessere Alternative?
Das Problem mit der Gleichzeitigkeit
Unter „hybridem Unterricht“ verstehen bzw. verstanden wir das Szenario, bei dem viele Studierende vor Ort im Seminarraum sitzen, während andere gleichzeitig online zugeschaltet sind. Dieser Spagat erforderte von dir deutlich mehr Vorbereitung, führte aber paradoxerweise oft zu schlechteren Lernergebnissen .
Forschungsprojekte der Oslo Metropolitan University zeichnen ein ernüchterndes Bild :
- Zuschauer-Effekt: Die Online-Teilnehmenden zeigten ein geringes soziales und affektives Engagement; sie fühlten sich oft nur als Zuschauer.
- Fehlende Vernetzung: Es fand kaum Interaktion zwischen den Gruppen vor Ort und online statt .
- Mangelnder Austausch: Selbst die Interaktion zwischen dir als Lehrendem und den Lernenden hat gelitten – auch die mit denen, die physisch anwesend waren.
Dozenten bevorzugen leider nach wie vor meist den klassischen Plenarunterricht, schlicht weil er für sie weniger intensiv und kräftezehrend ist als der Versuch, zwei Welten gleichzeitig gerecht zu werden.
Interessanterweise gaben Beteiligte manchmal an, zufrieden zu sein – meist aber nur, weil sie das hybride Format nicht direkt mit anderen Unterrichtsformen verglichen haben.
Die Lösung: Flipped Classroom statt Hybrid-Chaos
Laut Admiraal gibt es nach der Pandemie kaum gute Gründe, diese hybride Praxis fortzusetzen. Stattdessen legte er uns basierend auf Forschungsergebnissen die Didaktik des Flipped Classroom, also das Blended Learning ans Herz.
Warum ist das effektiver?
- Sequenz statt Gleichzeitigkeit: Du verlangst von den Lernenden, dass sie sich zunächst selbstständig vorbereiten .
- Qualitätszeit vor Ort: Die wertvolle Zeit im Seminarraum wird dann exklusiv für Reflexionen und Diskussionen und die Anwendung genutzt .
- Tiefe statt Breite: Dies sorgt für mehr Engagement, echte Interaktion und ein tieferes Verständnis des Stoffes .
Fazit
Versuchen wir nicht länger, es allen gleichzeitig recht zu machen. Jenes hybride Modell war ein fauler Kompromiss, der weder der Online- noch der Präsenzgruppe gerecht werden konnte.
Nutzen wir lieber die Stärken des Flipped Classroom: Wir lagern den Input aus und nutze die Präsenzzeit für das, was zählt – den echten Austausch von Angesicht zu Angesicht. Das bringt am Ende bessere Ergebnisse für die Studierenden und schont unsere eigenen Ressourcen.
Quelle:
Haslie, Nina Alnes (2023): No pedagogical reasons to continue offering hybrid teaching
https://partner.sciencenorway.no/oslomet-pedagogy-school-and-education/no-pedagogical-reasons-to-continue-offering-hybrid-teaching/2131777 [08.01.2023].
Als Lehrende können wir ganz einfach sogar im Präsenzunterricht im heutigen Sinne„hybrid“ arbeiten, indem wir dort auch unsere für Flipped-Classroom-Zwecke produzierten Kursmaterialien stimulierend einsetzen!
Damit realisieren wir einen aktivierenden Ansatz aus dem Blended Learning und geben dem Begriff „hybrid“ eine neue Bedeutung.
Wie das geht, trainieren wir in unserer Transferwerkstatt!
🙋♂️ Fragen aus diesem Beitrag
- Warum gilt der hybride Unterricht (im Sinne von: gleichzeitig vor Ort und online) oft als ineffektiv?
- Hybrider Unterricht führt häufig zu einer Überlastung der Lehrenden und zu schlechteren Lernergebnissen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Online-Teilnehmende oft den „Zuschauer-Effekt“ erleben, sich weniger engagieren und die Vernetzung sowie Interaktion sowohl zwischen den Gruppen als auch mit dem Lehrenden leidet.
- Welches didaktische Modell wird als Alternative zum hybriden Unterricht empfohlen?
- Als effektivere Alternative wird der Flipped Classroom (eine Form des Blended Learning) empfohlen. Hierbei wird der Input in die Selbstlernphase ausgelagert, während die Präsenzzeit exklusiv für Reflexion, Diskussion und die praktische Anwendung genutzt wird.
- Wie lässt sich der Begriff „hybrid“ im modernen Sinne positiv umdeuten?
- Anstatt zu versuchen, Präsenz- und Online-Teilnehmende simultan zu unterrichten, kann „hybrid“ durch einen aktivierenden Ansatz aus dem Blended Learning neu definiert werden. Dabei werden im Präsenzunterricht gezielt für den Flipped Classroom produzierte Kursmaterialien eingesetzt, um das Lernen zu stimulieren.
- Welche Vorteile bietet der Flipped Classroom gegenüber dem klassischen Plenarunterricht?
- Der Flipped Classroom fördert durch die vorbereitende Eigenarbeit ein tieferes Verständnis des Stoffes. Die wertvolle Zeit vor Ort wird nicht für reinen Input verschwendet, sondern für echten Austausch, Interaktion und die Anwendung des Wissens genutzt, was die Ergebnisse für Studierende verbessert und die Ressourcen der Lehrenden schont.
Drei Wege, deinen Flipped Classroom zu bauen:
„old-school“: Buch
- Lesen, ein wenig verstanden. ✅
- Durchblättern, etwas suchend. 🤔
- Aber keine Antworten erhalten.❓
- Leider keine Community vorhanden. 🤨
- Auch keine Live-Meetings vorhanden. 🧐
- Weggelegt, vergessen, verstaubt. ☹️
„old-school“: Kurs
- Zuhören, schon mehr verstehen. ✅
- Durchblättern, noch mehr verstehen. ✅
- Erste Antworten gefunden. ✅
- Leider keine Community vorhanden. 🤨
- Auch keine Live-Meetings vorhanden. 🧐
- Weggeklickt, Zugang vergessen. 😑
Transferwerkstatt
- Zugehört, echt viel verstanden. ✅
- Die Aufgaben eingereicht. ✅
- In der Community angedockt. ✅
- An Live-Meetings teilgenommen. ✅
- Den eigenen Kurs strukturiert. ✅
- Die ersten Elemente fertig. 😸
