Instrumente, die wir kennen sollten
Lerne, wie Bloom'sche Taxonomie und EQR/DQR bei der Curricula-Entwicklung helfen. Nutze diese Instrumente für aktivierende Lehre im Flipped Classroom.
Ein international erprobtes Instrument, mit dem die zu erreichenden Lernergebnisse in Stufen gemessen werden können, hilft uns auch beim Erreichen des vorgegebenen Qualifikationsrahmens.
Wer Curricula für Studiengänge schreiben muss, kommt an dieser Pyramide nicht vorbei. Die Lerntaxonomie von Benjamin Bloom u.a. (1956) erfasst in sechs kognitiven Stufen, was Lernende am Ende des jeweiligen Lernprozesses können sollen.

Sie verläuft von unten nach oben:
Erinnern (Wissen) – Verstehen – Anwenden – Analysieren – Bewerten – Generieren.
Es ist klar, dass die oberste Stufe nur selten erreicht wird; nicht umsonst handelt es sich um eine Pyramide. Je ambitionierter wir unsere Lernenden qualifizieren wollen, desto mehr Hinweise gibt uns diese Lerntaxonomie.
Diese Grafik der Vanderbilt University enthält in den nebenstehenden Textfeldern bereits einige Verben (sagen wir heute wie zu Grundschulzeiten einmal: „Tu-Wörter“), die nachvollziehbar machen, welche Fähigkeiten die Studierenden am Ende eines Hochschulmoduls nachweisen können sollten.
Welche der im Europäischen / Deutschen Qualifikationsrahmen (EQR / DQR) beschriebenen Niveaustufen sollen in welchen Studiengängen erreicht werden können?
Zuordnung zum EQR / DQR
Auch wenn uns in dieser Website primär die Fragen nach dem Modell des Flipped Classroom (FC) bzw. Inverted Classroom (IC) beschäftigen, ist es spannend, die eher sekundär erscheinende Frage nach dem Qualifikationsrahmen zu stellen. Denn von dort aus könnte dann die Bedeutung der FC/IC-Methode auch für das Erreichen der Qualifikationsziele untersucht werden.
Ordnen wir also einmal die Qualifikationsebenen oder -stufen der Bloom'schen Taxonomie dem Qualifikationsrahmen zu.
Dafür bringe ich hier eine eigene Darstellung mit Bedeutungen und Verben ein, wie ich sie in meinen Zeiten als Akkreditierungsbeauftragter und Curricula-Entwickler stets verwendet habe:

Diese Verben sind hilfreich bei der stets notwendigen Beschreibung der Qualifikationsziele – sowohl für den Studiengang als Ganzes als auch für die einzelnen Module bzw. Modulteile. Wenn Sie ein Modulhandbuch durchblättern, können Sie bereits anhand der Verben in den Qualifikationszielformulierungen eines jeden Moduls erkennen, auf welcher Stufe bzw. welchem Niveau der Bloom'schen Taxonomie sich jenes Modul tatsächlich befindet.
Mit Blick auf diese Bloom'sche Taxonomie lässt sich aus meiner Erfahrung sagen, dass für die hochschulischen Qualifikationsrahmen 6, 7 und 8 als realistische Erwartung formuliert werden könnte:
- Grundständige Bachelor-Studiengänge (EQR/DQR-Niveau 6) werden überwiegend die Stufen 1 bis 3 erreichen - ergänzt um die Stufen 4 und 5 zugunsten einer anspruchsvollen Abschlussarbeit.
- Weiterführende oder vertiefende Master-Studiengänge (EQR/DQR-Niveau 7) werden überwiegend die Stufen 1 bis 5 erreichen - ergänzt um die Stufe 6 zugunsten einer anspruchsvollen Abschlussarbeit.
- Beim Approbationsstudiengang Medizin (EQR/DQR-Niveau 7, inklusive Praktisches Jahr beträgt der Workload hier 360 ECTS): alle sechs Stufen werden realisiert.
- Bei einer Dissertation (EQR-/DQR-Niveau 8): alle sechs Stufen müssen durch eigenständige Forschung realisiert werden.
Das Image-Problem unserer Bachelorstudiengänge wird verständlich: Damit hat man noch keinen hinreichenden Abschluss, was vor allem den veralteten Lehrformen geschuldet ist – zu viel Vorlesung, zu wenig Umsetzung. Immer noch Nürnberger Trichter, so „old-school“.
Es wird also höchste Zeit für eine möglichst flächendeckende Umstellung auf die Didaktik gemäß Flipped Classroom!
Damit realisieren wir einen konsistenten aktivierenden Ansatz, orientiert an der Bloom'schen Taxonomie und dem Constructive Alignment – und geben unseren Studiengängen dadurch viel mehr Chancen, auch die höheren Qualifikationsstufen der Taxonomie zu erreichen.
Wie das tatsächlich geht, trainieren wir in nur drei Monaten gemeinsam: in unserer Transferwerkstatt!
🙋♂️ Fragen aus diesem Beitrag
- Was ist die Bloom'sche Taxonomie?
- Die Bloom'sche Taxonomie (1956) ist ein pädagogisches Instrument zur Messung von Lernergebnissen. Sie unterteilt kognitive Lernprozesse in sechs stufenweise aufeinander aufbauende Ebenen: Erinnern, Verstehen, Anwenden, Analysieren, Bewerten und Generieren.
- Warum ist die Bloom'sche Taxonomie für die Erstellung von Curricula wichtig?
- Sie hilft dabei, präzise Qualifikationsziele zu formulieren. Durch die Verwendung spezifischer 'Tu-Wörter' (Verben) in den Modulbeschreibungen lässt sich objektiv bestimmen, auf welchem kognitiven Niveau sich ein Modul befindet und welche Fähigkeiten Studierende am Ende nachweisen können sollten.
- Welche Stufen der Bloom'schen Taxonomie werden üblicherweise in Bachelor- und Masterstudiengängen erreicht?
- Für Bachelorstudiengänge (EQR/DQR-Niveau 6) werden primär die Stufen 1 bis 3 angestrebt, ergänzt durch 4 und 5 bei Abschlussarbeiten. Masterstudiengänge (Niveau 7) decken meist die Stufen 1 bis 5 ab, mit Stufe 6 in der Abschlussarbeit. Bei Promotionen (Niveau 8) müssen alle sechs Stufen durch eigenständige Forschung realisiert werden.
- Wie unterstützt der Flipped Classroom Ansatz das Erreichen höherer Qualifikationsstufen?
- Der Flipped Classroom fördert einen aktivierenden Lernansatz. Im Gegensatz zu klassischen Vorlesungsformaten („Nürnberger Trichter“) ermöglicht er eine stärkere Umsetzung des Gelernten, was entscheidend ist, um die höheren Ebenen der Bloom'schen Taxonomie zu erreichen.
Drei Wege, deinen Flipped Classroom zu bauen:
„old-school“: Buch
- Lesen, ein wenig verstanden. ✅
- Durchblättern, etwas suchend. 🤔
- Aber keine Antworten erhalten.❓
- Leider keine Community vorhanden. 🤨
- Auch keine Live-Meetings vorhanden. 🧐
- Weggelegt, vergessen, verstaubt. ☹️
„old-school“: Kurs
- Zuhören, schon mehr verstehen. ✅
- Durchblättern, noch mehr verstehen. ✅
- Erste Antworten gefunden. ✅
- Leider keine Community vorhanden. 🤨
- Auch keine Live-Meetings vorhanden. 🧐
- Weggeklickt, Zugang vergessen. 😑
Transferwerkstatt
- Zugehört, echt viel verstanden. ✅
- Die Aufgaben eingereicht. ✅
- In der Community angedockt. ✅
- An Live-Meetings teilgenommen. ✅
- Den eigenen Kurs strukturiert. ✅
- Die ersten Elemente fertig. 😸
